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    Thalia-Management kündigt Betriebsfrieden

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    Thalia-Management kündigt Betriebsfrieden

    Miese Tricks: Thalia zerschlägt Sozialpartnerschaft und begeht Tarifflucht
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    Unglaublich, aber wahr: Mit der Mitteilung, er habe den Berliner Betrieb mit seinen dreizehn Filialen rückwirkend zum 01.01.2021 aufgespalten und im Wege von Betriebsübergängen in zwei verschiedene, nicht tarifgebundene Gesellschaften überführt, kündigt der Arbeitgeber den Betriebsfrieden bei Thalia auf. Ein gutes Betriebsklima, transparente Diskussionen und Kooperation unter Sozialpartnern will die Unternehmensleitung nicht mehr: Sie stellt die 220 Beschäftigten kurzerhand vor vollendete Tatsachen.

    „Das Unternehmen nutzte in infamer Weise die Widrigkeiten der Corona-Pandemie und den Jahreswechsel, um in grober Missachtung der gesetzlichen Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats eine derart gravierende Betriebsänderung zum Nachteil der Beschäftigten durch die Hintertür durchzuziehen“, sagte Erika Ritter, zuständige ver.di Landesfachbereichsleiterin in Berlin-Brandenburg. „Geltende arbeitsrechtliche Bestimmungen scheinen den Herrschaften an der Unternehmensspitze völlig egal zu sein.“

    Die Thalia-Gesellschaft in Berlin war bis vor acht Tagen tarifgebunden. Mit der vorgestern verkündeten Unternehmensentscheidung flüchtet das Management aus der Tarifbindung und greift die Einkommens- und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten von einem auf den anderen Tag frontal an. Man plane ein eigenes, einheitlicheres und erfolgsabhängiges Vergütungssystem im Unternehmen, heißt es. In dem soll für zukünftige Tariferhöhungen anscheinend kein Platz mehr sein. Dafür solle eine Vergütung nach „Unternehmenserfolg“ vorgenommen werden. Das heißt nichts anderes, als dass es weniger gibt, wenn sich der Erfolg nicht einstellt. Den Erfolg will die Unternehmensleitung im Übrigen selbst festlegen.

    Die Filiale, in der der Betriebsratsvorsitzende beschäftigt ist, hat die Unternehmensführung kurzerhand in eine eigene Gesellschaft ausgegründet. Es drängt sich zwangsläufig die Frage auf, ob man sich hier mit miesen Tricks eines unbequemen Kollegen entledigen will, ohne die zwischen Sozialpartnern übliche und gesetzlich vorgeschriebene Mitbestimmung des Betriebsrats zu wahren.

    „Ein derartiges Umgehen mit den Beschäftigten ist schlicht skandalös und hat aber auch gar nichts damit zu tun, dass sich Thalia im Markt als TOP-Arbeitgeber profilieren will. Die Unternehmensspitze sollte sich dafür schämen“, sagte Erika Ritter.