Tarifrunden Handel BB 2024

Endlich ernsthaft verhandeln

Streikschwerpunkt Edeka: 72 Stunden-Streik beim Branchenriesen
15.02.2024

Ob Polizei, öffentlicher Dienst oder Post: Immer mehr Handels-Beschäftigte lassen ihre alten Arbeitsplätze etwa bei Rewe oder Edeka hinter sich und wechseln zu deutlich attraktiveren Arbeitgebenden. Die Unternehmen geben sich in der aktuellen Tarifrunde trotz drastischem Fachkräftemangels unbeeindruckt und bleiben bei ihrem Angebot vom November letzten Jahres. Also streiken die Beschäftigten ab Freitag in Berlin und Brandenburg gleich drei Tage.

„Die sehr angespannte finanzielle Situation ihrer Beschäftigten ist den Arbeitgebenden im Handel völlig gleichgültig“, sagt Conny Weißbach, ver.di-Verhandlungsführerin für den Einzelhandel in Berlin und Brandenburg. „Anders lässt sich nicht erklären, warum wir schon seit Frühjahr oder Sommer letzten Jahres verhandeln, und sie immer nur den gleichen Text vor sich hinmurmeln. Da hilft nur eins: weiter streiken. Denn die Beschäftigten stehen mit einem Bein in der Armuts- und Rentenarmutsfalle.“

Zum Hintergrund: Die Beschäftigten im Einzelhandel kommen mit Einstiegsgehältern von kaum mehr als 2.000 Euro brutto und einer hohen unfreiwilligen Teilzeitquote schon lange nur schwer über die Runden. Wenn man die letzte Tariferhöhung aus dem Mai 2022 abzieht, bleiben bis heute insgesamt rund 15 Prozent Inflationssteigerung. Die Situation ist dramatisch. Das weiß auch jeder Arbeitgebende. Trotzdem lassen die Unternehmen in den Arbeitgeberverbänden ihre Beschäftigten buchstäblich am langen Arm verhungern. ver.di hat in den letzten Verhandlungen neue Lösungen angeboten.

Ende Dezember sah es fast so aus, als wenn einige Arbeitgebende verstanden hätten, dass die Beschäftigten keinen weiteren Reallohnverlust verkraften können. „Schlussendlich haben sich aber die Falken im Arbeitgeberlager durchgesetzt. Erneut ging es zurück auf Los, zum Angebot von Anfang November 2023 mit 6 Prozent im ersten Jahr, allerdings mit drei Nullmonaten und 4 Prozent im Jahr 2024, plus 750 Euro Inflationsausgleichsprämie. Dieses Angebot bedeutet weiterhin einen Reallohnverlust für die Beschäftigten. Die ganze Verhandelei bisher also: für die Katz“, sagt Conny Weißbach.

„Von den Brosamen kann keiner mehr leben, erst recht keine Familie. Das führt direkt in die Armut und die bedrohliche Perspektive Altersarmut“, so Conny Weißbach weiter. ver.di fordert für das Jahr 2023 2,50 Euro pro Stunde mehr.

ver.di Berlin-Brandenburg ruft daher die Beschäftigten im Einzelhandel von Freitag, 14.2., bis einschließlich Montag zum dreitägigen Streik innerhalb der ver.di-Edeka-Schwerpunktwoche auf. Die Beschäftigten des Großhandels streiken ebenfalls.